Musterschule bangt ums Überleben

(Quelle: Volksstimme vom 25.02.2015 Hagen Eichler) Renommierte Experten zählen die Jeetzeschule in Salzwedel zu den 20 besten in Deutschland. Das Kultusministerium hingegen beanstandet zahlreiche Mängel und droht offen mit der Schließung.

Freiarbeit 2 kl260 Schüler lernen in der Jeetzeschule, die sich der Reformpädagogik verschrieben hat und von einem privaten Verein getragen wird. Derzeit winkt sogar bundesweites Renommee: Beim Wettbewerb um den angesehenen Deutschen Schulpreis hat es die Einrichtung in die Runde der besten 20 geschafft – als einzige aus Sachsen-Anhalt.

Vollkommen anders urteilt allerdings das Kultusministerium. In einem 27-seitigen Bericht hat die Schulaufsicht zahlreiche Beanstandungen zusammengefasst. Nach Volksstimme-Informationen rügen die Prüfer den Einsatz nichtqualifizierter Lehrer, Pannen bei der Abiturprüfung, die rechtswidrige Aufnahme von Schülern und sogar hygienische Probleme.

Kein Unterricht mit DDR-Diplom
Zu Details will sich das Ministerium nicht äußern, die Liste der Vorwürfe soll nun mit dem Trägerverein ausgewertet werden. Es gehe um „schwerwiegende Mängel“, sagte ein Sprecher. Gegenüber der Schule droht das Land sogar mit der schärfsten Waffe: dem Entzug der staatlichen Anerkennung. Ohne die entfällt der Landeszuschuss, die Schule müsste aufgeben.

Alarmiert war die Schulaufsicht bereits im vergangenen Jahr, als die Gesamtschule erstmals Abiturprüfungen abhielt. Von den elf Kandidaten bestanden lediglich sechs. Die Schule führt das auch darauf zurück, dass das Land überraschend mehreren Lehrern die Anerkennung versagt hat.

Das Ministerium hat etwa verboten, Pädagogen mit DDR-Diplom in der Oberstufe einzusetzen oder einen niedersächsischen Hauptschullehrer oberhalb der sechsten Klasse. „Wir sind überzeugt, dass das gute Pädagogen sind, dürfen sie aber nicht einsetzen“, klagt Schulleiterin Antje Pochte.

Privatschulen kritisieren strenge Maßstäbe
Auch andere Privatschulen klagen über diese Praxis. Dem Internationalen Gymnasium in Barleben (Landkreis Börde) untersagte das Land im vergangenen Jahr die Anstellung einer Chinesin. Dabei hatte die sogar schon an einer deutschen Universität gelehrt. Das Gymnasium zog vor Gericht und gewann. „Ob ein Lehrer guten Unterricht macht, interessiert niemanden“, beklagt Marco Langhof vom Vorstand der Trägerstiftung. „Es geht nur um Formales und immer gilt die größtmögliche Restriktivität.“

Die Privatschulen sehen sich gegenüber den öffentlichen benachteiligt. „Die Schulverwaltung scheint oftmals strengere Maßstäbe anzulegen“, rügt Jürgen Banse vom Verband der Privatschulen.

4 Kommentar auf “Musterschule bangt ums Überleben
  1. Alles Innovative erstmal prinzipiell abwürgen!
    Willkommen in Deutschland…

  2. Was für Kinder möchte dieses Bundesland eigentlich?

  3. Jana Roden sagt:

    ICH WEIß NICHT, WAS DIE BEHÖRDEN MAL WIEDER FÜR EIN PROBLEM HABEN.FÜR UNS STELLT SICH IM NÄCHSTEN JAHR DIE FRAGE, WO WIR UNSER KIND AB DER 5.KLASSE BESCHULEN LASSEN. SIE IST KREATIV, TOTAL WISSBEGIERIG UND HAT SO VIEL PHANTASIE, DAS SIE GAR NICHT ALLES UMSETZEN KANN, WAS IHR AN IDEEN DURCH DEN KOPF SCHWIRRT. WENN ICH DIESES KIND WIRKLICH AUF EINE STAATLICHE SCHULE SCHICKEN MUSS, WEIß ICH JETZT SCHON, DAS MEINEM KIND INNERHALB KÜRZESTER ZEIT JEGLICHE MÖGLICHKEIT FÜR ALL DIESE DINGE GENOMMEN WIRD. WIR HABEN DIE JEETZESCHULE AM TAG DER OFFENEN TÜR BESUCHT UND ICH KANN NUR SAGEN, DAS WIR WIRKLICH OFFENE UND ENGAGIERTE LEHRER UND VOR ALLEN DINGEN SCHÜLER ERLEBT HABEN, DIE VÖLLIG FASZINIERT VON IHRER SCHULE UND IHREM UNTERRICHT BERICHTET HABEN. WENN UNS DIE MÖGLICHKEIT GEGEBEN WIRD, WIRD MEIN KIND DEFINITIV AN DIESE SCHULE GEHEN!

  4. Jan Erwin sagt:

    Hallo Deutschland du trauriger, trister Klumpen Einheitlichkeit. Ich finde es ja wirklich bemerkenswert das wirklich Menschen damit beauftragt werden 27 Seiten darüber zu verfassen , was in einer Schule falsch laufen soll in der versucht wird es einfach mal besser zu machen, was meiner Meinung nach auch durchaus gelingt. Anstatt die Arbeitszeit mit so einer ach so sinnvollen Aufgabe zu verbringen, sollten Sie sich lieber mal 27 Seiten lang überlegen warum unser Staat es nicht schafft ein halbwegs vernünftiges Bildungssystem zu etablieren. Nein, stattdessen nörgeln sie an den Menschen Rum die den Mut haben, es von sich aus zu ändern, die engagiert sind, die versuchen Kindern wissen auf eine moderne Art zu vermitteln. Aber stimmt, warum sollte der Staat das auch zu schätzen wissen oder gar fördern, oder Gott bewahre sich ein verdammtes Beispiel daran zu nehmen. Ich habe vergessen, das die Schüler unserer staatlichen Erziehungsgefängnisse im direkten Duell mit anderen Ländern ja regelmäßig fantastisch abschneiden und man ja sofort merkt das sie super auf das richtige Leben vorbereitet werden. Scheiße, ein Großteil von den armen gestalten kann in der 10ten klasse nicht einmal richtig lesen geschweige das gelesene überhaupt verstehen. Sie sind zu Recht gnadenlos unmotiviert, was sie mit den auf diesen Schulen Angestellten Lehrkräften übrigens gemeinsam haben. Ich kann diese Lehrer sogar etwas verstehen, sie haben unmoderne Lehrmittel, kaum Freiheiten beim Versuch der heutigen Jugend wissen zu vermitteln und zu allem Überfluss wurden sie genauso wie die Schüler nicht genügend darauf Vorbereitet was sie später zu tun haben. Sie werden nicht vernünftig weitergebildet und wenn doch, mit Methoden die so lange Prüfungsverfahren und sinnlose Gremien durchlaufen müssen bis sie wieder veraltet sind. Wir haben ein System in dem Erwachsenen unsere Kinder unterrichten sollen mit dingen mit denen sich die Kinder teilweise besser auskennen als die Lehrenden selbst. Wir sind einfach zu langsam mit diesem riesigen Verwaltungsapparat am Arsch der erst alles 5 mal absegnen muss bevor er es überhaupt selbst versteht. Aber wenn er es versteht, denn muss das auch so funktionieren, egal ob es denn wirklich funktioniert. Anschließend wird verzweifelt versucht es durchzusetzen und wenn man nach weiteren 5 überprüfungen denn doch einmal merkt das es nicht funktioniert, basteln wir einfach solange an dieser eh schon beschissenen Idee herum bis auch wirklich endgültig zum Scheitern verurteilt ist.

    Nun haben wir hier eine Schule, die das Ändern möchte, die Kinder dazu animieren möchte zu lernen, die Lehrkräfte hat die es tatsächlich noch für nötig halten ihren Beruf zu lieben und diesen auch noch gerne ausüben. Verdammt wo findet man so etwas heute eigentlich noch? Warum finden staatliche Schulen nicht solche Lehrer und warum machen sie diese systematisch kaputt wenn sie doch einmal das Glück haben so einen fang auf dem Arbeitsmarkt zu machen? Warum? Warum? Warum? Ganz einfach, weil niemand Kreativität, Spaß und Freiheit näher bringen kann wenn man davon selbst nichts versteht. Wie sollen so eingeengte, frustrierte Menschen bitte Kinder unterrichten? Unser höchstes gut in der Gesellschaft, unsere Zukunft. Ich könnte stundenlang von meinen früheren Erfahrungen berichten mit Lehrern die einfach überfordert waren und wie ich heute sogar noch mehr als damals finde, nicht auf Kinder losgelassen werden sollten. Hier ist das nicht so, hier gibt es Lehrer die sich Engagieren, die sichtlich Spaß an dem haben was sie tun weil sie es eben sinnvoll machen können und die Erfolge sehen. Sie versuchen es den Kindern zu erklären und sagen nicht „So ist es, warum ist doch egal“.
    Aber was machen nun diese überflüssigen, verbitterten, grauen, verstaubten Assi’s in ihren einsamen Büros mit ihren Urlaubsbildern von vor 5 Jahren und den ach so lustigen Sprüchen auf ihren vergilbten Pinnwänden an den DIN genormten Wänden in ihren DIN genormten Büros? Natürlich, sie meckern, sie Regulieren und sie machen das was sie einfach Parade mäßig gut können. Sie behindern den fortschritt, sie machen es den Menschen schwerer, sie versuchen Gesetze, Beschlüsse und Verfassungen durchzusetzen die wahrscheinlich älter als sie selbst sind. Sie weigern sich natürlich strickt zu hinterfragen, denn das wäre wirklich sehr Undeutsch. Hinnehmen, Akzeptieren und am besten noch Dankeschön dafür sagen. Sie verfassen also Beschwerdebriefe oder fast schon Bücher mit denen sie drohen dieses vorbildliche Projekt zu stoppen, wenn sie sich nicht an das Anpassen was augenscheinlich nicht funktioniert. Wirklich? Ich weiß gar nicht ob ich zuerst heulen oder kotzen soll. Dass es Dinge zum Beanstanden gibt glaube ich aufs Wort. Kein Konzept funktioniert in der Realität sofort, es ist ein schleichender Prozess der sich entwickeln muss. Das bedarf natürlich Zeit so wie es bei den schlauen Ideen unserer Politiker der ebenfalls der Fall ist. Diese Schule ist im Entstehungsprozess, den sie bemerkenswert schnell durchläuft und an der sich an Beispiel genommen werden sollte, anstatt an ihr herum zu meckern und sie in das schon vorhandene, nicht funktionierende Schema unseres Systems zu zwängen. Ich bin übrigens so ein Ping Pong Ball unseres Schulsystems was man an meiner tollen Grammatik bestimmt merkt (zum Glück kann mein Handy Autokorrektur). Jedes Jahr wurde alles über den Haufen geworfen und trotzdem blieb es doch so gleich. Es wurden A und B Kurse geschaffen, es wurden Sekundarstufen entwickelt und eigentlich war es ein ständiges Experiment. Niemals konnte man sich sicher sein welche bescheuerten, unausgegorenen Ideen man nun wieder ausprobieren muss. Bei mir gab es auch keine oder sehr wenig motivierte Lehrer, keine modernen Unterrichtsmethoden, keine Freizeitangebote, keine Hilfe, keine Solidarität unter Schülern. Ich hatte im Gymnasium einen Atlas wo es die Sowjetunion noch gab und so alt bin ich nicht das es sie dort wirklich noch gab. Bei mir gab es nicht die Möglichkeit sich kreativ zu entfalten und sich selbst auszuleben. Es gab keine Zauber AG’s, was schade ist, denn ich könnte heute wunderbar Frauen in Bars mit Zaubertricks beeindrucken. Aber ja liebes Kultusministerium, macht ruhig weiter, damit wir weiter diese Generation Frauentausch großziehen und das ehemalige Land der Dichter und Denker zu einer überflüssig Schande in dieser Welt verkommt. Unterdrückt Mut, Kreativität und den Willen die Welt besser machen zu wollen. Vergrault ruhig noch die Vorhanden motivierten Personen unserer Gesellschaft damit unsere Jugend auch wirklich gar nicht mehr die Chance hat im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Ich für meinen teil bin froh, das meine kleine Schwester so eine Schule besucht, über die sie Selbstverständlich auch meckert. Es ist immer noch eine Schule, ein Ort an dem unsere Kinder ihre Zeit in einer Zeit verbringen müssen in der sowieso alles scheiße ist. Warum also sollten wir nicht einmal versuchen ihnen diese Zeit Halbwegs angenehm zu gestalten, bevor sie in den harten Lebensalltag geworfen und der heutigen Arbeitswelt zum fraß vorgeworfen werden. Ich zumindest weiß, das meine kleine Schwester es zu schätzen weiß das sie so eine Schule besuchen darf und nicht in so einem tristen, das Leben aussaugenden Bunker herum vegetieren muss in dem es allen Leuten egal ist was einmal aus ihr wird. Zum Abschluss möchte ich gerne meine ehemalige Mathelehrerin und zu dieser Zeit stellvertretende Direktorin aus einer Realschule in Salzwedel grüßen die den Unterricht meist mit folgenden Worten begann „Aus euch wird sowieso nie etwas“. Vielen herzlichen dank fürs Mut machen und ich möchte das sie sich meinen Mittelfinger vor ihren Augen vorstellen und sich schämen weil sie Unrecht hatten.
    Jan Erwin

1 Pings/Trackbacks für "Musterschule bangt ums Überleben"
  1. […] aber auch ein 27-seitiger Mängelbericht des Kultusministeriums Thema, der Ende Februar durch einen Bericht der Volksstimme bekannt geworden war. Der Verfasser des Dokuments wirft der Schule unter anderem die Einstellung […]

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